#23/25 Eine Grenze aus Licht und viele Geschichten

In der Berliner Behala-Halle warten 4000 Ballonstelen auf ihre Verwendeng. (c) Antje Schroeder KulturprojekteBerlin

Berlin erinnert sich vom 7. bis 9. November an den Mauerfall vor 25 Jahren

Der Countdown läuft. Noch wenige Tage, dann werden 8.000 Ballons den Blick auf Berlin verändern. Vom Abend des 7. bis zum Abend des 9. November bilden sie den Mauerverlauf zwischen Bornholmer Straße und Oberbaumbrücke vorbei am Brandenburger Tor, über den Potsdamer Platz und vorbei am Checkpoint Charlie nach. Ältere Bewohner werden innehalten und sich erinnern, viele jüngere Hauptstädter und Besucher werden staunen, wo die Mauer überall Straßen durchtrennte, die heute ganz natürliche Lebensadern der zusammengewachsenen Stadt sind.

Bürgerfest, Führungen, Musik und eine Grenze, die sich in Luft auflöst

Optisch stehen die Ballons im Zentrum der Feierlichkeiten. Aber thematisch geht es vor allem um die Menschen. Die Feier hat das Motto “Mut zur Freiheit”und erinnert an jene Menschen, die mit ihrem mutigen Eintreten für Freiheit und gegen Unterdrückung die friedliche Revolution gemacht haben. Der Ablauf ohne Gewalt und ohne Repression der DDR-Regierung war ja keineswegs vorhersehbar, ganz im Gegenteil: Viele Beobachter rechneten damit, dass der Staatsapparat mit Härte reagieren würde.

Im Rückblick sehe alles wie eine große Party aus, sagt Tom Sello von der Robert-Havemann Gesellschaft in Berlin. Man vergesse dabei, dass viele Menschen persönliche Risiken eingegangen seien und Mut bewiesen hätten. An Schicksale im Kontext der Mauer wird die Robert-Havemann-Gesellschaft im Verlauf der Lichtgrenze an 100 Info-Punkten erinnern. An Menschen etwa, die durch sie getrennt wurden und an Menschen, die bei dem Versuch, sie zu überwinden, starben.

Geschichten hören, Geschichte verstehen: Touren, Ausstellungen und ein großes Bürgerfest

Ergänzend können die Besucher am Jubiläumswochenende an zahlreichen geführten Touren teilnehmen. So bietet der Museumsdienst stündlich geführte Touren auf Deutsch und Englisch am Mauerpark, am Checkpoint Charlie und an der East Side Gallery an. Die Touren dauern eine Stunde, kosten fünf Euro und sind für Kinder unter 14 Jahren frei. In ihnen geht es um das Leben und den Widerstand im Schatten der Mauer und um Geschichten von Teilung, Flucht und Zusammenwachsen. Am 7. November werden sie von 18 bis 20 Uhr, am 8. November von 12 bis 20 Uhr und am 9. November von 12 bis 16 Uhr angeboten.

Freiwillige Helfer versorgen die Besucher mit Info-Material und informieren über die Veranstaltungen entlang der Lichtgrenze. Sie sind für die bei visitBerlin angesiedelte Gemeinschaftsinitiative “Service in the City” zwischen Brandenburger Tor und East Side Gallery unterwegs. Wer mit den Freiwilligen, die an dem Service-in-the-City-Schriftzug auf ihren Jacken erkennbar sind, ins Gespräch kommt, kann auch ihre spannenden persönlichen Mauergeschichten hören und so Geschichte besser verstehen.

Weil die Menschen im Mittelpunkt stehen, hält sich die Politik am Mauerfall-Wochenende zurück. Nur zwei Veranstaltungen sind geplant: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am Sonntag zwischen 10 Uhr und 12.30 Uhr das sanierte Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße eröffnen. Schon ab 14.00 Uhr können Besucher die neue Dauerausstellung „1961|1989. Die Berliner Mauer“ besichtigen, die über historische Ereignisse von der Teilung der Stadt bis zur Wiedervereinigung informiert. Außerdem können sie Lesungen sowie Gesprächen von Zeitzeugen beiwohnen.

Der ofizielle Festakt des Landes Berlin findet am selben Tag ab 16 Uhr im Konzerthaus am Gendarmenmarkt statt. Reden wird der unter anderem der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz.

Wer die einmalige Szenerie aus der Luft betrachten möchte, hat ebenfalls Gelegenheit dazu. Mancherorts werden Kräne Besucherplattformen anheben, damit ein Blick aus erhöhter Position auf die Ballons möglich ist. Richtig hoch, nämlich in 1.000 Meter Höhe, geht es mit drei Flügen von Air Berlin. Die Maschiene startet um 17.30 Uhr, um 19.00 Uhr und um 20.30 Uhr zu dem jeweils rund 35 Minuten dauernden Flug entlang der Lichtgrenze, der übrigens immer die selbe Flugnummer hat: AB1989. Zum unvergesslichen Blick auf Berlin bekommen die Passagiere in den Propellerflugzeugen einen Snack und ein Glas Sekt. Der Preis beträgt 98,30 Euro; Informationen gibt es hier.

Um 19 Uhr werden die Ballonpaten dann die Ballons aus den Stelen ausklinken und in die Höhe steigen lassen. Die Nachfrage nach den Patenschaften war groß; man hätte sie auch für mehr als die 8.000 Ballons vergeben können. Die Paten versehen ihre Ballons mit einer ganz persönlichen Botschaft. So wie die 1961-er Abiturgeneration des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums in Reinickendorf, die mit ihrem Ballon an ihren Schulfreund Dieter Wohlfahrt gedenkt, der noch im Abitur-Jahr als Fluchthelfer an der Mauer getötet wurde.

Ausklingen wir die Feier mit den Erinnerungen von Zeitzeugen wie Freya Klier, Ulrike Poppe und Wolf Biermann beim Bürgerfest am Abend. Moderieren wird das Bürgerfest vor dem Brandenburger Tor der Schauspieler Jan-Josef Liefers, der vor 25 Jahren selbst in der Demokratiebewegung aktiv war. Die Musik kommt von Silly, den Fantastischen Vier, vom Techno-Musiker Paul Kalkbrenner und Udo Lindenberg. Die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim spielt den 4. Satz der 9. Symphonie von Beethoven.

Und der britische Sänger Peter Gabriel wird ein Lied seines Landsmannes David Bowie singen: “Heroes”, jenes Lied, das in Berlin entstand und von Helden erzählt. Helden für einen Tag, die Helden sein werden für immer und ewig: Heroes just for one day and forever and ever.

Das Programm des Mauerfall-Feierlichkeiten auf einen Blick