Aus dem Fenster in die Freiheit

Winfried Tews rennt am 23. Mai 1962 um sein Leben. Er klettert über zwei Mauern, springt in einen Kanal. DDR-Grenzbeamte eröffnen das Feuer – und treffen. Lungenschuss. Tews schwimmt weiter. Westdeutsche Polizisten geben dem 14-jährigen Feuerschutz. Er kann sich schwer verletzt ans westliche Ufer retten und überlebt, getroffen von 17 Kugeln. Ein DDR-Grenzer ist tot. Wie viele Tragödien die Berliner Mauer verursachte, weiß niemand. Fest steht, dass mindestens 136 Menschen bei Fluchtversuchen ums Leben kamen. 5.075 Mal glückte die verbotene Grenzüberquerung.

Laut SED-Regime sollte der „antifaschistische Schutzwall“ Ostdeutschland vor dem Kapitalismus bewahren – tatsächlich war das 160 Kilometer lange Bauwerk entworfen worden, um die massive Flucht nach West-Berlin zu stoppen. Fast drei Jahrzehnte wurde das Bollwerk zur Todesfalle für Bürger, die der sozialistischen Diktatur entkommen wollten – und war schließlich das weltweit bekannteste Symbol des Kalten Krieges. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, hatte DDR-Staatschef Walter Ulbricht noch im Juni 1961 gelogen. Zwei Monate später begannen auf Druck der Sowjetunion die Bauarbeiten. An der Bernauer Straße, der heutigen Gedenkstätte Berliner Mauer, verlief die Grenze direkt an Ost-Wohnhäusern entlang – bereits die Bürgersteige lagen im Westen.

Die 77-jährige Frieda Schulze floh aus der DDR, indem sie sich aus dem zweiten Stock ihrer Wohnung in ein Sprungtuch der westdeutschen Feuerwehr fallen ließ. Im selben Jahr verlief der Aufmarsch sowjetischer und amerikanischer Panzer vor dem Haus am Checkpoint Charlie gerade noch glimpflich. 1975 sollte die Mauer „schöner“ werden – und wurde aus 45.000 Fertigelementen neu errichtet. Zur geplanten High-Tech-Grenze „Mauer 2000“ kam es dank der Wende dann nicht mehr. Heute sind Teile der Mauer über die ganze Welt verstreut. Das längste erhaltene Teilstück in Berlin ist die East Side Gallery.

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